Logo-thor_web_weiss_petrol

Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur

Vermittlung zwischen Wissenschaft und Literatur, Theorie und Praxis, Universität und Öffentlichkeit​

Ab dem Frühjahr 2014 unterrichtet in jedem Semester ein*e internationaler Autor*in als Gast des WBKolleg (bis Mai 2015 IASH – Institute of Advanced Studies in the Humanities) an der Universität Bern. Sie*/Er* gibt eine Lehrveranstaltung, die sich an alle Studierenden der Philosophisch-historischen Fakultät richten. Die Gäste arbeiten wie „normale Professor*innen“ mit Studierenden und Doktorierenden zusammen, d.h. sie bieten Sprechstunden an, betreuen Hausarbeiten und nehmen an Workshops teil. Format und Gegenstand der Lehrveranstaltung wählt jede*r Autor*in als Gastprofessor*in selbst. So kommen Angebote zustande, die in der Form kreativ und inhaltlich aktuell sind. Der Begriff „Autor*in“ wird im erweiterten Sinne verstanden: neben Schriftsteller*innen kommen auch Filmemacher*innen, Essayist*innen oder Publizist*innen infrage.

Der Name Friedrich Dürrenmatt steht für eine vielseitige Weltliteratur in Bern: Der aus dem Kanton stammende Schriftsteller, der an der Universität Bern studierte, verfasste Prosatexte und Essays sowie Arbeiten für Theater und Hörfunk, die in zahlreichen Zusammenhängen und Sprachen wahrgenommen wurden.

Zusätzlich zu den Seminaren oder Vorlesungen der Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor*innen werden universitäre und öffentliche Veranstaltungen in Bern sowie an anderen Orten in der Schweiz angeboten.
Die Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur wird verwirklicht mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und Burgergemeinde Bern.

Jaroslav Rudiš ist Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor im FS 2026​

Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš lehrt im Frühjahrssemester 2026 an der Universität Bern. Als 24. «Friedrich Dürrenmatt Gastprofessor für Weltliteratur» wird er mit den Studierenden eine literarische Zugreise durch Mitteleuropa unternehmen. 

In seinem Seminar an der Universität Bern, das er auf Deutsch halten wird, will Jaroslav Rudiš zusammen mit seinen Studierenden eine literarische Bahnreise durch Mitteleuropa unternehmen – vorbei an Schlachtfeldern, Friedhöfen und Ruinen. Unter dem Titel «The beautiful landscape of battlefields, cemeteries and ruins», ein Zitat aus dem Roman Winterbergs letzte Reise, wird sich der Kurs Orten widmen, an denen sich Geschichte und Gegenwart, Erinnerung und Erfahrung überlagern: Berlin, Prag, Wien, Brno, Krakau, Breslau, Budapest, Bratislava, Lwiw, Sarajevo und Triest – bis die Teilnehmenden aus dem literarischen Zug in Bern wieder aussteigen. Die Studierenden lesen Texte unter anderem von Alfred Döblin, Olga Tokarczuk und Thomas Bernhard. Dabei gehen sie der Frage nach, was Mitteleuropa zusammenhält: Sprache, Literatur, Film, Musik, Humor, Bier – und nicht zuletzt die Eisenbahn?

news & events

Jaroslav Rudiš ist der neue Dürrenmatt Gastprofessor im FS26 – Auftaktveranstaltung

“Bahn, Bier und Winterberg”: Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš liest aus seinen Werken. Mit Prof. Virginia Richter und Prof. Oliver Lubrich spricht er über seine Beziehung zur Eisenbahn, seine literarische Arbeit und das Bier als Kulturgut. Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt, ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. 18. Februar 2026, 18:30 Uhr, Hallersaal der Burgerbibliothek Bern, Münstergasse 63. Picture: Vojtěch Veškrna.

further info

Jaroslav Rudiš

Mit dem Zug über Sprachgrenzen

Jaroslav Rudiš, geboren 1972, studierte in Liberec, Zürich und Prag Geschichte und Germanistik, bevor er als Journalist in Berlin arbeitete, wo auch sein literarischer Erstling entstand. Rudiš ist Autor mehrerer Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Drehbücher, Graphic Novels und Hörspiele. In tschechischer und deutscher Sprache verfasst und in zahlreiche Sprachen übersetzt, erkunden seine Texte immer wieder das gegenwärtige und das vergangene Mitteleuropa – am liebsten mit Blick aus dem Zugfenster. So unternimmt der 99-jährige Protagonist seines Romans Winterbergs letzte Reise (2019) eine Bahnreise von Berlin nach Liberec – anhand des Baedekers zu «Österreich» von 1913. Mit feinem Gespür für Dialoge und Witz erzählen die Figuren auf dieser Zugfahrt, die über Sprachgrenzen führt, die Geschichte von Mitteleuropa als Eisenbahnraum. Rudiš, der aus einer Eisenbahner-Familie stammt und als Kind Lokführer werden wollte, verfasste sogar eine Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen (2021). Alois Nebel, die Titelfigur seiner Comic-Trilogie, arbeitet an einem kleinen Bahnhof im früheren Sudentenland – und wurde zum Filmhelden.
Für sein literarisches Schaffen wurde Rudiš unter anderem mit dem Preis der Literaturhäuser (2018) und dem Chamisso-Preis (2019) ausgezeichnet. Für seinen Beitrag zur Verständigung zwischen den Nationen erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und die tschechische Verdienstmedaille. Seit 2025 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Ein Bier mit Kafka?

Jaroslav Rudiš bewegt sich nicht nur zwischen Sprachen, sondern auch zwischen Literaturen und Medien. In der Verfilmung seines Romans Grandhotel (2006) trat er als Schauspieler auf. Er verfasste Hörspiele und das Libretto zu einer Oper. Als Mitglied der Kafka Band vertont er die Texte des berühmtesten Prager Autors und bringt sie als szenische Konzerte auf die Bühne. Gemeinsam mit dem österreichischen Zeichner Nicolas Mahler schuf er die Graphic Novel Nachtgestalten (2021). Und nicht nur in der Eisenbahn sieht Rudiš eine Verbindung zwischen den Ländern, sondern auch im Bier. In seiner Gebrauchsanweisung für Bier (2025) erklärt er, welche Bedeutung diesem trinkbaren Kulturgut zukommt. «Bierkenner und Kafkaliebhaber – wir freuen uns sehr auf einen so vielseitigen Gast», sagt Projektleiter Oliver Lubrich, Literaturprofessor an der Universität Bern. «Dass Jaroslav Rudiš ein Eisenbahnfan ist, obwohl er in Deutschland lebt, beweist zudem seinen Humor.»

project lead

Picture of Prof. Dr. Oliver Lubrich

Prof. Dr. Oliver Lubrich

Ordentliche Professur für Neuere deutsche Literatur und Komparatistik